1926-1950 - SV Varlheide

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1926-1950

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Es waren schwierige Zeiten, doch nachdem es in einigen Nachbargemeinden schon gelungen war, führte eine von der Gemeinde Varl einberufene Bürgerversammlung im Gasthaus Löhr – Winkelmann zur Gründung unseres Schützenvereins.
 
Der im Hause Müller Nr. 188 wohnende Autovermieter Heinrich Dreier hatte den Vorschlag eingebracht, in Varlheide einen Schützenverein zu gründen.
 
Da diese Anregung allgemeine Zustimmung fand, beschloß man auf einer schon bald folgenden Versammlung, den Schützenverein Varlheide zu gründen und auch so zu benennen.
 
Nach einem Bericht der Rahdener Zeitung wird der 14. Juli 1926 als Gründungstag angegeben. Dem neu gegründeten Verein traten sofort 70 Personen als Mitglieder bei!
Erster Vereinsvorsitzende und Major wurde Wilhelm Lahrmann Nr.113.
Mit der Vereinsgründung wurde auch eine „Alte Garde“ ins Leben gerufen und von August Löhr Nr. 9 geleitet.
 
Ebenfalls im Gründungsjahr des Schützenvereins Varlheide war es Tambourmajor Wilhelm Emshoff Nr. 155 der sich um Spielleute bemühte und den Spielmannszug gründete. Den Gemeinsinn und die Eintracht zu fördern und den Schießsport
zu pflegen hatten sich unsere Gründer in die Satzung  geschrieben.
 
Dieses hat all die Jahre hervorragend funktioniert - möge es  auch für die nächsten Jahrzehnte Bestand haben!

 


 
Bevor man an ein Stiftungsfest denken konnte, wurde in freiwilliger Arbeitsleistung der Vereinsmitglieder in dem hinter dem Hause Bremermann Nr. 206 gelegenen Laubwald des Landwirts Steinkamp Nr. 23, ein Schießstand gebaut. Dicke Balken und Schwellen dienten als Kugelfang und Deckung. Das Schießen auf den Adler oder auch auf Scheibe erfolgte bis 1939 mit dem Gewehr Karabiner 98.Gewehre und Munition stellte der Fahradhändler Rose aus Espelkamp zur Verfügung, der auch das Laden der Gewehre übernahm. Das Stiftungsfest konnte nun am 26. August 1926 beim Vereinslokal, dem „Gasthof zum Heidekrug“ der Familie Löhr – Winkelmann, gefeiert werden. Der Uhrmacher August Fischer aus Rahden lieferte zum Preis von 109,50 RM die erste Königskette.
Schützenvorsitzende und Major Wilhelm Lahrmann Nr.113 proklamierte Karl Krüger zum 1. Schützenkönig von Varlheide!
 
Rechtzeitig zum Stiftungsfest stellte der Spielmannszug, unter der Stabführung von Tambourmajor Wilhelm Emshoff mit 2 Trommlern und 4 Flötisten, sein Können unter Beweis.
 
Das zweite Schützenfest fand am Sonnabend, den 21. und Sonntag den 22. Mai 1927 statt. Die Königswürde errang August Krüger, ein Bruder des alten Königs Karl Krüger, nach sieben- stündiger Bombardierung des Vogels!
(Eine ausreichende Begründung wegen des langen Schießens liegt vor)
 
 
Am 14. und 15. Juli 1928 fand das 3. Schützenfest statt.
Der Händler August Wiehe hatte den Adler zur Strecke gebracht und damit die Königswürde, Pflichten und Rechte erworben.
Die vorbildliche und immer stark vertretene Alte Garde unter ihrem Hauptmann August Löhr schaffte sich im Jahre 1928 eine Fahne an, die heute noch erhalten ist.

Im Sommer 1929 feierte man bei herrlichem Hochsommerwetter mit dem Schützenkönig Fritz Kassebaum unter der Beteiligung von 11 auswärtigen Schützenvereinen das Schützenfest mit der eigenen Fahnenweihe .
Erster Fahnenträger des Vereins war August Steinkamp Varl Nr.3.
Als Fahnenoffiziere standen ihm Wilhelm Bollhorst Nr. 20 und Heinrich Rehburg Varlheide Nr. 161 zur Seite.
Die Vereinsfahne wurde von der Hannoverschen Fahnenfabrik zum Preis von 42o Reichsmark hergestellt.
 
Das Schützenfest 1930 fand bei Hermann Buschmann Nr.22, dem Bataillonsadjutanten, im Lohbusch am 12. und 13. Juli statt. Festwirt war Gastwirt Hanau aus Varl.
 
Trotz behördlicher Genehmigung wurde das Königsschießen vom Landjägerbeamten untersagt, um später wieder freigegeben zu werden. Also wurde weiter geschossen und es gelang Hauptmann August Röttger gegen 11.30 Uhr den Rest des Adlers abzuschießen.
Durch Major Wilhelm Lahrmann wurde August Röttger dann feierlich zum König proklamiert.
Anfang der 30-er Jahre baute der Vereinswirt Winkelmann auf seinem Grundstück entlang der Straße „Langer Damm“ einen Kleinkaliberschießstand, der nach Fertigstellung dem Verein zur Verfügung gestellt wurde. Selbstverständlich wurden auch auswärtige Feiern unserer Nachbarvereine  besucht, meistens mit dem Fahrrad als Hauptverkehrsmittel.
Doch in Varlheide war das schon anders!
Man mietete sich einen Lastwagen der Ziegelei Detering,
stellte Holzbänke darauf und schmückte ihn mit Grün, und fuhr so zu den auswärtigen Festen! Natürlich waren Maschinenwagen und Anhänger noch mit Vollgummi bereift und dazu die Straßenverhältnisse von damals! Man war eben noch nicht so anspruchsvoll wie heute.
 
Schützenkönig 1931 wurde Sanitätstsrat Heinrich Sassenberg.
Das Fest war wieder beim Vereinswirt Winkelmann.

 Im Notjahr 1932 konnte Lehrer Fritz Budde die Königswürde erringen. Doch Major Wilhelm Lahrmann konnte die Proklamation nicht vornehmen, weil sich die alte Majestät weigerte die Königswürde abzutreten. Heinrich Sassenberg hatte  mit seinen Getreuen der „Alten Garde“ unter Hauptmann Löhr  eine befestigte Stellung bezogen, die uneinnehmbar schien. Erst als die Flanken geschickt umgangen werden konnten, nutzte Hauptmann August Röttger die Gelegenheit zum wuchtigen Gegenstoß, und die Waffen wurden gestreckt.
 
Das Schützenfest 1933 fand wieder  im Lohbusch bei Landwirt Hermann Buschmann Nr.22 statt. Geschossen wurde bei Spilker, b. Nr. 20, heute Walter Wimmer. Gemeindevorsteher Rüter gab den ersten Schuß für unseren Reichspräsidenten und Sturmführer Junghaus vertrat Reichskanzler Hitler. Kurz nach 9.00 Uhr fiel bereits der Adler durch den Kommandeur der „Alten Garde“ August Löhr Haßlage Nr. 9. Das Königspaar Löhr sowie die Königsadjutanten mit Ihren Frauen, stellte sich in der alten Rahdener Tracht auf dem Thron vor.
 
Auch 1934 wurde am 13. 14.und 15. Juli In Varlheide Schützenfest gefeiert.
Zapfenstreich begann um 20.30 Uhr mit dem Antreten. Nach einem anstrengenden Marsch gab es Freibier bis Major Lahrmann Punkt 24 Uhr den Befehl zum Abrücken in die Quartiere gab.
Am Samstag war dann um 5 Uhr wecken, 6 Uhr Antreten einschl. der „Alten Garde“ zum Abholen des Königs!
Um 7 Uhr begann das Königsschießen. (heute unmöglich)
Danach Proklamation und Wegbringen des Königs nach Hause.
Nachmittags Antreten um 14.30 zum Abholen des Königs mit Durchmarsch durch den Ort, danach dann Konzert und Tanz.
 
Schützenkönig 1934 wurde Bataillonsadjutant Hermann Buschmann.
Der Reitertrupp Varl/Rahden, dessen Reitlehrer SM. war, beteiligte sich auch am Umzug. Am Kriegerdenkmal nahm man Aufstellung um der Gefallenen in einer kurzen Andacht zu gedenken.
 

Kommandeur der „Alten Garde“ wurde Fritz Kassebaum.
 
Der erste „Alte Garde Sanitätswagen“ für fußkranke Altgardisten, von einer Kuh gezogen, stellte der Kommandeur selbst.
 
Der Wagen war mit „flüssigem Stoff“ und einer Säuferliste ausgestattet. Bei der Säuferliste handelte es sich um ein Buch
 
mit eingeklebten Spiegel!

 
 
Schützenkönig 1935/36 wurde Major Wilhelm Lahrmann.
Hauptmann Röttger übernahm als schneidiger Kompanieführer das Bataillon.
 
Amtsbürgermeister Waidner eröffnete das Königsschießen,
Ortsgruppenleiter Böversen machte den zweiten Schuß gefolgt von Stützpunktleiter Karl Griepenstroh.
 
 
Mit dem Zapfenstreich 1936 wurden die Festtage, die den Teilnehmern in der schweren Erntearbeit Erholung und neue Lebensfreude bringen sollten, eingeleitet.
Beim Königsschießen schoß kurz vor 10 Uhr Maschinist  Wilhelm Schwettmann jun. den Vogel ab. Mit großem Jubel wurde der glückliche Schütze, der seine Schießkunst bei der NSKK erlernt hatte, im Festzelt feierlich zum König proklamiert.
 
 
1937 wurde Adolf Januschewski genannt „Hatgen Adolf“ b. Nr. 9 feierlich zum Schützenkönig proklamiert.
 
 
Heinrich Sander Nr. 218, Vater von Werner und Günter Sander,
 
wurde 1938 auf den Schultern seiner Kameraden als neuer Schützenkönig ins Festzelt getragen, wo Major Lahrmann
 
die Krönung vornahm.
 
 
Die Schützen trugen bis 1939 bei Ausmärschen und Umzügen Holzgewehre mit denen noch exerziert wurde. Hoch zu Roß saßen der Major und sein Bataillonsadjutant !
 
 
Doch langsam, kaum erkennbar, zogen erste dunkle Wolken auf.
Der Nationalsozialismus mißbrauchte die Schützenvereine.
Durch die Eingliederung in den Westfälischen Heimatbund im Herbst 1937 mußte sich unser Verein in Heimatschutzverein umbenennen . Anderenfalls, so schreibt die Chronik, würde es einer Lahmlegung des Vereins gleichkommen. Die Abhaltung von
Schützenfesten sollte nicht geschmälert werden aber in erster Linie sollten die Schützenvereine der Wehrhaftmachung unseres Volkes dienen.
 

Der Begriff Vereinsvorsitzende wurde durch „Vereinsführer“ ersetzt.
Im Juli 1939 wurde noch einmal Schützenfest gefeiert.
Am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Letzter Schützenkönig vor dem Krieg wurde Wilhelm Segelhorst.
 
Er sollte10 Jahre lang Schützenkönig bleiben, bedingt durch den 2.Weltkrieg.

 
1940/41/42 und 1943 wurden noch Jahresversammlungen durchgeführt.  Auf der Jahresversammlung 1941 wurde festgestellt, das schon 35% unserer Mitglieder den grünen Schützenrock gegen den feldgrauen Rock tauschen mußten. Eine Einheitssatzung, die noch im Original vorhanden ist, wurde 1940 eingeführt. In den nachfolgenden Kriegsjahren, auch nach dem Zusammenbruch 1945, ruhte das Vereinsleben vollständig.
 
Viele Vereinsmitglieder sind aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurückgekehrt.
Die Gedenktafel vor der Friedhofskapelle Varl nennt uns 99 Namen von Männern aus Varl/Varlheide und 19 Männer aus Ostdeutschland, die ihr Leben für Volk und Heimat opferten.
 

Die Familien der gefallenen Ostdeutschen haben hier eine neue Heimat gefunden.
 

Nach der Währungsreform im Juni 1948 flackerte die Vereinstätigkeit in den Schützenvereinen wieder auf. Das erste Schützenfest nach dem Kriege wurde im Juli 1948 in Pr. Ströhen gefeiert.
 

Auf einer im Herbst 1948 einberufenen Versammlung wurde der Beschluß gefaßt, die Vereinstätigkeit nach alter Überlieferung wieder aufzunehmen. Beim folgenden Winterball unseres Schützenvereins war man nach Umfragen der Meinung, 1949 wieder ein Sommerfest zu feiern.
 
 
 
Auf dieser Versammlung wurde folgender Vorstand gewählt:
 

Vorsitzende und Major Wilhelm Lahrmann Nr. 113
Bataillonsadjutant August Kokemor Nr. 53
 
Hauptmann August Röttger Nr. 203
 
Schriftführer Wilhelm Sander Nr. 189
 
Kassierer
Heinrich Weghorst Nr. 194 und August Bremermann Nr. 206
Königsadjutanten
 
Christian Bollhorst b. Nr. 56 und Fritz Pieper  Nr. 191
Fahnenträger
 
Heinrich Rehburg Nr. 161
Begleitoffiziere
 
Wilhelm Bollhorst Nr 49 und August Wagenfeld Nr. 146
 
Tambourmajor
 
Wilhelm Meier Nr. 234
 
Hauptmann der „Alten Garde“
 
Heinrich Pieper Nr. 88
 
 
Mit Schmunzeln erinnern sich noch alte Schützenkameraden an das erste Königsschießen nach dem Kriege – auf dem Schießstand in Winkelmanns Garten – als man sich vom Ströher Schützenverein eine Armbrust auslieh und damit den König ausschoß !
 
Die drei besten Schützen, Helmut Pieper, Wilhelm Wolf und Fritz Pieper kamen in´s Stechen.
Armbrustschützenkönig wurde 1949 Fritz Pieper Nr. 191!
 
 
1950 war es wieder soweit, es durfte auf den Adler geschossen werden!
 
Die Munition K 98 wurde nicht mehr erlaubt, dafür kamen 6 mm Patronen zum Einsatz. Der Königsadler bekam eine neue Größe.
 
Doch der alte Stand war von der Waffen-SS zerstört worden.
 
Nach kurzen Überlegungen wurde ein neuer Masten mit Halterung  für den Adler am Rande von Meyer`s Busch aufgestellt.
 
Die Schußrichtung wurde zur Wiekhorst gewählt.
 
Schützenkönig wurde Heinrich Emshoff b.Nr.21 am Langen Damm.
 
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